Tausend Kilometer für Sammy

Ein Beitrag aus dem Tagebuch von Sammy

Manchmal...

... ändert sich das Leben von einem Tag auf den anderen. So auch für Sammy, dem lieben Berner Sennenrüde, dessen Herrchen vor Kurzem verstorben war. Nach diesem tragischen Schicksalsschlag gab es nun ein weiteres Problem: Sammy brauchte schnellstens ein neues Dach über den Kopf, denn es gab Ärger mit den Anwohnern und das Veterinäramt war bereits eingeschaltet. Sammy wurde eine extrem kurze Frist gesetzt: er müsste sofort weg!


Berner and Friends e.V. blieb nur wenig Zeit zu handeln. Doch es wurde eine Pflegefamilie gefunden, die Sammy in der Eile vorrübergehend aufnahm. Was nun noch fehlte, waren Fahrer, die ihn von seinem alten Wohnort bis in seine neue Unterkunft fuhren. Die Strecke Hamburg bis Cottbus war lang und inklusive Hin- und Rückfahrt vom vereinbarten Ausgangspunkt waren es mehr als 1000 Kilometer. Normalerweise wird solch eine große Distanz als Kette gefahren. D. h. man fährt nur ein Teilstück und an einem vereinbarten Treffpunkt gibt man den vierbeinigen Fahrgast an den nächsten Fahrkettenfahrer von Berner and Friends e.V. weiter. Für die anstehende Strecke fanden sich auf die Schnelle allerdings kaum Fahrer, schon gar nicht so kurzfristig. Tina und ich hatten aber Zeit und nach kurzer Absprache stand fest, dass wir den gesamten Weg gemeinsam übernehmen. Bei so einer langen Fahrt ist es auch besser zu zweit zu sein. Früh am Sonntagmorgen ging damit unsere Mega-Tour los.

In Hamburg angekommen, fuhren wir den vereinbarten Treffpunkt an. Die Hinterbliebenen von Sammys verstorbenen Herrchen, die ihn dort mit schwerem Herzen abgeben, warteten schon auf uns. An dieser Stelle möchte ich übrigens meine Hochachtung für Menschen aussprechen, die sich so verantwortlich zeigen. Die sich an Berner and Friends e.V. gewendet haben, um einem Notfallhund ein trauriges Schicksal zu ersparen. Was wäre sonst nur aus Sammy geworden?

Nachdem wir die letzten Formalitäten geregelt haben, dürfen wir Sammy dann übernehmen. Die gut duftenden Leckerchen leisten uns gute Hilfe, denn nun steigt Sammy viel lieber mit in den Kofferraum unseres Autos ein. Nachdem wir unseren vierbeinigen Fahrgast doppelt gesichert haben, geht die Fahrt in sein neues Leben los.

Sammy ist auf der langen Fahrt lieb und geduldig. Hin und wieder schaut er mal nach, wer ihn denn da so durch die Gegend kutschiert. So ein Schatz. Ich denke an die Menschen, die ihn nicht behalten konnten, und daran, was das Leben für Sammy nun wohl bereithalten mag. Hoffentlich findet sich bald eine endgültige Familie für ihn, die ihm ein liebevolles Zuhause schenkt.

Nach einiger Zeit ist es soweit und wir müssen eine kleine Pause machen. Sammy bieten wir Wasser an und gemeinsam mit ihm vertreten wir uns etwas die Beine. Bei einer Fahrkette mit mehreren Fahrern bietet sich für eine Pause übrigens gut die Übergabe zum nächsten Fahrer an. Einige Stunden später kommen wir in Cottbus, und damit in Sammys vorübergehender Pflegefamilie, an. Noch etwas zurückhaltend lernt Sammy seine neue Umgebung kennen. Alles ist neu und ein anstrengender Tag geht für ihn nun dem Ende zu.

Für Tina und mich kommt nun der Abschied. Ein komisches Gefühl, denn wir haben Sammy in den letzten Stunden bereits ins Herz geschlossen und nun fällt es uns schwer, den lieben, großen Bären zurückzulassen. Aber wir sehen, dass es ihm hier gut geht. Sammy hat es hier warm, er hat Futter und Wasser und liebe Menschen, die sich um ihn kümmern. Und vor allem: Sammy ist in Sicherheit!

Tina und ich brauchen noch ein paar Stunden, um wieder zu Hause anzukommen. Wir sind erschöpft vom langen Fahren. Aber es hat sich gelohnt. Über das Vereinsforum konnten wir Sammys weiteren Lebensweg verfolgen und haben so miterlebt, dass er nach einer schönen Pflegezeit ein wunderbares Zuhause gefunden hat. Noch heute verschlinge ich jeden Bericht von Sammy, unseren lieben Fahrgast, der damals mit uns seinen Weg in ein neues Leben gefahren ist.

Autorin: Gerburg C.

FahrkettenhelferInnen: Tina H. und Gerburg C.


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