Nadja & Romy · unsere Geschichte




Profil von Nadja & Romy

Vorgeschichte: Nadja & Romy, zwei ehemalige Vermehrerhündinnen, sind als seelische schwer kranke Hunde zu uns in Pflege gekommen. Beide Hunde waren gewaltig traumatisiert, außergewöhnlich ängstlich und tragen noch heute tiefe Narben auf ihrer Seele. Ein Leben mit dem Menschen war für sie anfangs nicht ertragbar. Nur mit intensivem Training ist es heute möglich, dass beide Hündinnen gerne an dem Leben, mit den ihnen bekannten Menschen, teilhaben.

Wesen: Nadja, das Bärchen, ist eine wunderschöne und herzensgute Berner Sennenhündin. Bedingt durch ein tiefliegendes Trauma hat Nadja es lange Zeit nicht geschafft, an einen normalen Familienleben teil zu nehmen. Heute, zweieinhalb Jahre nach der Befreiung aus der Vermehreranstalt, ist die Vergangenheit nicht abgelegt, aber die größten Schwierigkeiten und Ängste haben wir unter Kontrolle. Nadja ist ein wahrer Charakterhund geworden. Sie ist eine sehr soziale Hündin, liebt es gemütlich, spielt gerne Hundespiele, genießt Streicheleinheiten und frönt ihre größte Leidenschaft, dem Futtern. Und frech kann sie sein – zumindest auf ein paar Meter Abstand.

Romy, die Zarte, ist eine treue Hündin die sich gerne stark an ihre Bezugsperson bindet. Sie ist eine neugierige Nase, clever und gerne in Bewegung. Mit Eifer löst sie Intelligenzspiele, übt gerne kleine Trickübungen ein und liebt Streicheleinheiten. Jedoch alles bedacht und bisher nur mit ihrer Bezugsperson. Auch Romy hat große Fortschritte gemacht und viele Ängste sind bei Weitem nicht mehr mit denen aus der Anfangszeit vergleichbar. In Situationen die sie überfordern, braucht sie jedoch ihre Bezugsperson die sie „an die Pfote“ nimmt. Romy ist eine sanfte Hündin, die die leisen Töne liebt.

Nadja & Romy sind bislang keine Hunde, mit denen man völlig unbekümmert zusammen leben kann. Ein normales (Haushunde-)leben ist für die Beiden bisher nur bedingt möglich.

Verhalten gegenüber Menschen: Nadja begegnet fremden Menschen, egal ob Kindern oder Erwachsene, auf Spaziergängen an der Leine unsicher. Ansprache, Anschauen oder Anfassen von Dritten ist bisher schwierig und letzteres nicht möglich. Im Freilauf, sei es im Haus oder auf dem Hof, hat sich die Situation sehr positiv verändert. Hier kann es sogar sein, dass Nadja kurzeitig am Besuch schnuffelt, auch wenn sie nicht angefasst werden möchte. Leckerchen nimmt das Schleckermäulchen jedoch gerne an. Auch ich, als Bezugsperson, musste mir Nadjas Vertrauen hart erarbeiten. Mit intensivem Training dauerte es fast ein Jahr bis Nadja anfing, erste Zeichen von leichter Freude zu zeigen, wenn ich zu ihr kam. Heute scheint Nadja verstanden zu haben, dass sie uns vertrauen kann.

Romy fürchtet sich vor Erwachsenen und Kindern, die uns auf Spaziergängen an der Leine begegnen, sehr. Im Freilauf kommt Romy mit Besuch besser zurecht, ist jedoch sehr aufgeregt. Hier reicht ihr Verhalten von Distanzvergrößerung (im unbekannteren Revier) bis dazu, den Besuch maßregeln und stellen zu wollen (im vertrauten Umfeld). Tätschelnde Besucherhände, hohe Stimmen und Trubel überfordern sie auffallend schnell. In diesen Situationen ist Management von dem Menschen wichtig. Ist der Besuch in Ruhe angekommen und knistert eine Leckerchentüte ist Romy jedoch, mit etwas Sicherheitsabstand, dabei. Hat Romy einmal Vertrauen gefasst, bindet sie sich sehr stark an eine Bezugsperson und zeigt sich als treue Hundeseele, die für ihren Menschen sprichwörtlich durch das Feuer gehen würde. Medical Training, z. B. kleine Untersuchungen von Ohren, Pfoten, etc., sind für uns jedoch weiterhin eine Herausforderung und dabei ist es wichtig, Romys Signale schnell und richtig zu deuten. Laut Angaben des Vorbesitzers hat sie fünf Mal gebissen.

Verhalten gegenüber anderen Hunden: Klasse! Egal welche Rasse, ob groß, klein, jung, alt, kastriert oder nicht kastriert – bei Besucherhunden zeigen sich Nadja und Romy durchweg freundlich und sehr sozial. Hundebegegnungen außerhalb ihres häuslichen Umfelds sind bisher kaum möglich, auch wenn dies nichts mit dem anderen Hund zu tun hat, sondern im direkten Kontext zu der großen Furcht vor der Außenwelt und fremden Menschen steht.

Verhalten gegenüber anderen Tieren: Nadja hat sich unserer verstorbene Katze gegenüber tadellos verhalten. Romy hat diese nicht mehr kennen gelernt, die Gewöhnung an eine Katze wäre aber sicher möglich. An Pferdebegegnungen sind die Beiden gewöhnt.

Ängste u. ä.: Nadja und Romy haben ein schweres Trauma erlitten und dadurch seelisch und körperlich einen unumkehrbaren Eindruck erhalten. Die Folgen sind schwerwiegend und reichen von Angstgefühlen bis zu psychischen Störungen. Neben ihren erlebten Traumata und Ängsten leiden beide Hunde unter Fürchten und Phobien, bis hin zu Panikattacken. Letzteres jedoch nahezu ausschließlich in der anfänglichen Pflegezeit. Auslöser für ängstliches Verhalten u. ä. im Detail zu benennen, würde den Rahmen sprengen. Hervorzuheben ist sicherlich die Angst vor der Außenwelt, dem Menschen, neue Situationen, verschiedenste Gegenstände von groß bis klein, schnelle Bewegungen und laute Geräusche. Nadja & Romy brauchten eineinhalb Jahre, bis sie mit ihrer Bezugsperson, draußen spazieren gehen konnten. Heute schafft Romy es einmal täglich mit ihrer Bezugsperson spazieren zu gehen und Nadja läuft bereits mehrmals die Woche eine zweite, große Runde mit. Management ist dabei jedoch noch großgeschrieben.

Schwer wiegt, dass es sich bei Beiden nicht um isolierte Ängste u. ä. handelt, sondern um eine Vielzahl von Auslösern, die gleichzeitig auf die Hunde wirken und sie schier überwältigen. Eingeübte Techniken und Hilfsmittel leisten uns vor allem bei leichten Ängsten u. ä. gute Hilfe. Und auch bei einzelnen Auslösern haben wir mit intensivem Training gute Fortschritte machen können. In schweren Situationen ist es für sie jedoch nicht mehr möglich logisch zu denken und Hilfestellungen anzunehmen, so dass, wenn möglich, nur eine Reizauflösung oder Reizminimierung hilft.

Nadja leidet still, anfangs dissoziierend, schaltet sie heute bei Überfordern bewusst ab. In solchen Momenten ist Nadja nicht mehr ansprechbar und nicht mehr „auf dieser Welt“. Im schlimmsten Fall zieht sie sich über längere Zeit komplett zurück. Auf starken Wind und Gewitter reagiert sie mitunter phobisch. Nadjas kleine Welt kann bei Überforderung noch ins Wanken geraten, aber wir konnten feststellen, dass die Nachwirkungen mittlerweile viel geringer und weniger nachhaltig sind, als noch vor einem Jahr.

Romy kann panisch werden, sobald sie sich – ohne Fluchtmöglichkeit nach draußen - im geschlossenen Haus aufhält. Ist dann kein Mensch dabei, kann es dazu kommen, dass Romy Gegenstände zerstört und sich selbst verletzt. Toi, toi, toi – in den letzten zwölf Monaten hatten wir nur einen Vorfall! Des Weiteren hat Romy große Angst vor zu viel und zu festen Berührungen, sowie vor dem Fotoapparat. Romy ist aufgrund ihrer körperlichen Erkrankung weniger belastbar als Nadja.

Trotz Ihrer Vorbelastung haben Nadja und Romy in der zweieinhalbjährigen Pflegezeit gewaltige Fortschritte gemacht.

Trainingstand: Nadja setzt die Wörter SCHAU, FANG, TEP für Targeting, PFÖTCHEN, AUS sowie das Umlenkgeräusch gut um. Ein FEIN versteht sie, das KOMM setzt sie immer besser um. Techniken die Ihr Hilfestellungen in akuten, leichten Angstsituationen geben, kann sie mit ihrer Bezugsperson anwenden. Beim Spazieren ist Nadja recht langsam unterwegs, aber lässt sich im Sicherheitsgeschirr sehr gut an einer Schleppleine führen. Bei Reizüberflutung besteht Fluchtgefahr.

Romy setzt die Wörter KOMM, SCHAU, FANG, TEP für Targeting, PFÖTCHEN, AUS sowie das Umlenkgeräusch, sicher um. Techniken die ihr Hilfestellungen in akuten Angstsituationen geben, kann sie in leichten bis mittelschweren Angstsituationen mit ihrer Bezugsperson anwenden. Romys Leinenführigkeit hat sich enorm verbessert, aber sobald sie überfordert ist – z. B. durch einen fremden Menschen in Sichtweite – kann sie noch stark an der Leine ziehen. Wir üben fleißig. Romy sollte ebenso wie Nadja nur im Sicherheitsgeschirr geführt werden. Auch wenn sie sich gerne an ihre Bezugsperson orientiert, besteht bei Reizüberflutung Fluchtgefahr.

Nadja & Romy sind mittlerweile Beide lernbegierig und mit Spaß an Übungen gerne dabei. Beide Hunde sind geübte KER-Anwender (Entspannen, Fütterung, Besuch, Alles ok).

Stubenreinheit: Ja. Kein Problem für Nadja und Romy.

Jagdtrieb: Einer Katze die durch den Garten flitzt, würden beide Hunde wohl hinterher laufen, einen ausgeprägten Jagdtrieb haben sie schätzungsweise aber nicht.

Treppen: Nadja und Romy laufen Treppen problemlos. Aufgrund ihrer Gelenkerkrankung sollte Romy jedoch in ihrem Zuhause kaum bis keine Treppen laufen.

Autofahren: Anfänglich noch etwas aufgeregt, sind Nadja und Romy nach kürzester Zeit angenehme Mitfahrer. Über eine Hunderampe laufen die Beiden selbstständig in den Kofferraum hinein und wieder hinaus. Sobald die Kofferraum-Tür aufgeht, sollten sie sicherheitshalber fixiert sein.

Alleinebleiben: Nadja bleibt stundenweise völlig brav alleine. Romy kann, auch in Gesellschaft der anderen Hunde, nicht im geschlossenen Haus alleine bleiben. Ist eine offene Tür zum Garten vorhanden, gibt es kein Problem.

Gesundheit: Nadja & Romy sind gechipt, geimpft und nicht kastriert. Nadjas Durchtrittigkeit, das zeitweilige Laufen der Vorderläufe bis auf den Fußwurzelballen, hat sich sichtlich gebessert. Ein paar Hunde-Stützbandagen liegen jedoch weiterhin parat. Auf der Hinterhand läuft Nadja ohne Einstellung nicht ganz rund, aber mit guter Nahrungsergänzung kommt sie augenscheinlich gut zurecht. Die Kosten für Nahrungsergänzung und homöopathische Unterstützung für Körper und Seele belaufen sich z. Zt. auf ca. 35 € monatlich. Ein Atherom am Hinterkopf ist mittlerweile kaum mehr spürbar.

Romy hat eine beidseitige, schwere Hüftdysplasie und eine schwere, beidseitige Hüftgelenksarthrose. Ebenso sind die Ellenbogen beidseitig angegriffen. Ihre Schmerzmittel konnten wir langsam ausschleichen lassen und gegen hochwertige Nahrungsergänzungsmittel und Homöopathie ersetzen. Somit bekommt Romy z. Zt. nur im Bedarfsfall Schmerzmittel. Drei kleine, sich bisher nicht verändernde Knoten sind unter der Haut zu spüren. Die Kosten für Nahrungsergänzung, Homöopathie für Körper und Seele, sowie Schmerzmittel für den Bedarfsfall belaufen sich z. Zt. auf ca. 50 € monatlich.

Romy sollte, ebenso wie Nadja, lebenslang schlank bleiben und hochwertig ern ährt werden.

Neues Zuhause: Nadja und Romy suchen eine ruhige, kleine Familie die mit dem Herzen sieht. Beide Hündinnen werden nur gemeinsam in ein Zuhause vermittelt, obligatorisch ohne Kinder und mit mindestens einem weiteren, souveränen Hund. Ein reizarmes, ländlich gelegenes Zuhause mit Garten, möglichst direkt am oder im Wald/Feld wäre wunderbar. Beide Hunde brauchen im Haus eine Rückzugsmöglichkeit und einen geregelten Tagesablauf ohne Hektik. Aufgrund Romys Gelenkerkrankungen sollte der Bereich in dem sich das Familienleben hauptsächlich abspielt, ebenerdig sein. Ein Haus mit ausbruchsicherem Garten und einer (Hunde-)tür die zum Garten führt, sind sehr wichtig. Im Umgang mit besonderen Hunden sollte man erfahren sein und die Hundesprache sicher beherrschen.

Mit diesen zwei Hunden wird man Erfahrungen machen, die in keinem Buch nach zu lesen sind. Sicherlich sind nicht mehr alle Ängste und ähnliche Verhaltensweisen korrigierbar, aber mit viel Mut und Ausdauer kann man es schaffen miteinander glücklich zu werden. Dafür bekommt man zwei ganz besondere, wundervolle und herzensgute Hündinnen. ♥ 
 
 
27.04.2008 · Abholung vom Vermehrer













 
 
 
 
 
 
11.05.2008: Nachrichten aus der Übergangs-Pflegestelle



Nadja kleine Fortschritte .... sind manchmal auch schwupps wieder weg ... sie bekommt schlimme Angstzustände möchte man ihr nahe kommen ... sie gar ein Stück an die Leine nehmen oder so - dann verfällt die hübsche Maus in eine Starre und nix geht mehr.

Nadja wird noch Monate an Geduld und Liebe benötigen ... aber wenn wir was haben ist es Zeit ...



... aber sie wird es schaffen - und wir sind an Nadjas Seite
 
15.05.2008 · Nadjas Ankunft in der Pflegefamilie

Nadja ♥ hat als ehemalige Vermehrerhündin kein normales (Hunde-)Leben kennen lernen dürfen. Ihr Leben war darauf beschränkt, auf ein paar wenigen Quadratmetern als Gebärmaschine für die Welpenproduktion zu funktionieren. Tagein, tagaus, jahrein, jahraus. Doch Nadja hatte Glück im schlimmen Unglück: nachdem sie bei Ihrer letzten Geburt alle ihre Welpen verlor, gilt sie nicht mehr als profitabel genug. Nach Jahren der Entbehrung öffnet sich für sie nun das Tor zur Freiheit.

Gerade in ihrem neuen Leben angekommen wird Nadja nun in ihrer Pflegefamilie auf ein normales Hundeleben vorbereitet. All das was sie ihr Leben lang entbehren musste, lernt Nadja nun zum ersten Mal kennen: Gras unter den Pfoten, einen blauen Himmel, freies bewegen, gutes Essen, streichelnde Hände…alles ist neu.

 

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Nadjas Ankunft in der Pflegefamilie

Nadja ♥ ist gut bei uns angekommen. So ängstlich und unterwürfig wie sie ist, hat sie sich anstaltslos in das Auto heben lassen und war die über dreistündige Autofahrt völlig ruhig. Ab und an habe ich Nadja gestreichelt und ihre großen, traurigen Augen haben mich dabei fragend angesehen.

Im Pflege-Zuhause angekommen, ist Nadja mit Ermunterung den Weg vom Auto zur Hoftor ängstlich an der Leine mit gelaufen. Die Hoftür kaum auf, wurde Nadjas Freude über die vorhandenen vierbeinigen Freunde aber groß. Aufgeregt-freudig lief sie im Garten zwischen den Hunden umher. Vier Näschen beschnuffelten sich und haben sich spontan gut gefunden. In der Mitte der Hunde schnüffelte Nadja hier und da und suchte sich letztendlich ein Schattenplätzchen im Garten.

Am Abend hat Nadja ihr Willkommensessen ratzfatz aufgefuttert.Und einige Zeit später am Abend konnte ich die Maus dann an der Leine in das Haus führen. Die Nacht hat sie in der eigens ausgesuchte Ecke hinter dem Sofa "unsichtbar" und sehr ruhig verbracht.

Nachdem ich am nächsten Morgen eine Minute außer Reichweite war, hat Nadja die Gunst der Minute genutzt um unbemerkt in den Garten zu huschen. Ich schaue aus dem Fenster und da sehe ich Naddelchen im Bärchen-Galopp und breitem Lächeln auf dem Gesicht mit den anderen Hunden laufen…


 
19.05.2008 · Ich wär so gerne unsichtbar

Psst, ich bin´s, die Nadja ♥ - seht ihr mich?


Meine Pflegemutti sagt ich bin ein wunderschönes Bernermädchen. Aber ich fühle mich eher wie eine kleine Maus. Am liebsten wäre ich unsichtbar. Deshalb verstecke ich mich auch dort wo mich niemand sieht. In meinem früheren Leben als Vermehrerhündin war das auch besser so. Klein machen und schnell verstecken wenn die Menschen kommen - die wollten nämlich nie etwas Gutes von mir. Ob nun alles anders ist, das kann ich noch nicht einschätzen. Jetzt ist einfach alles noch so neu für mich. Von meinem Lieblingsplätzchen hinter dem Gartenhäuschen beobachte ich tagsüber gerne alles ganz genau.

Aber auch den Garten habe ich schon erkundigt. Am wohlsten fühle ich mich wenn die Menschen nicht da sind. Dann laufe ich gerne im Bärchen-Galopp durch das Gras, am liebsten in der Mitte meiner vierbeinigen Freunde. Doch auch wenn die Pflegemutti da ist, lunze ich schon mal möglichst unbemerkt aus meinem Versteck heraus und schaue nach, was sie so macht. Und wenn das Essen zu lange auf sich warten lässt, dann sag´ ich auch schon mal Bescheid. Dann komm ich aus meinem Versteck heraus und belle kurz in die Luft. Nicht das mich jemand vergisst. ;-)



Jeden Tag kommt die Pflegemutti zu mir, streichelt mich und erzählt mir was für ein wunderschönes Mäuschen ich bin. Immer bringt sie mir ein Leckerchen mit, aber ich kann noch nicht aus meiner Haut. Erst wenn sie weg ist, nehme ich das Leckerchen. Mein Vertrauen gibt es nicht so einfach...

Gestern hat es dann nicht nur Fellpflege gegeben, sondern auch Ohrenpflege. Das gefällt mir alles noch nicht so wirklich, aber ich lass es still über mich ergehen.

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Schön sehe ich aber doch aus, oder?
 
24.05.2008 · Nadja in ihrer kleinen Welt

Hinter dem Gartenhäuschen fühlt sich Nadja ♥ weiterhin am wohlsten. Hier ist ihr eigens gewählter Rückzugsort, ihre Insel, von der aus sie alles aus sicherem Abstand sehen und hören kann.

Menschen geht Nadja bisher lieber aus dem Weg. Zu lange haben sie etwas mit ihr gemacht, was sie davon abhält Kontakt mit ihnen auf zu nehmen. Hier lernt Nadja nun, dass Menschenbegegnungen positiv sind, auch wenn es nur in kleinen Schritten geht. Wir vermeiden Nadja in Situationen kommen zu lassen, in denen sie sich sehr unsicher oder ängstlich fühlt. Die Starre, ein nur nach außen hin stummes Notsignal, zeigte Nadja bisher nicht mehr und wir werten dies als ersten, kleinen Erfolg.

Nadja möchte, dass ihre Individualdistanz respektiert wird und dem kommen wir gerne nach. Der Weg ist das Ziel ist: wenn es Nadja gut geht, dann wird es auch weiter gehen. (Tippel-)Schritt für (Tippel-)Schritt.


Oft beobachte ich Naddelchen heimlich hinter dem Fenster. In der Mitte der Hunde läuft sie mit offenem Fang und glücklichen Augen, fröhlich im Garten herum. Sie ist gerne mit unseren Hunden zusammen, liegt auch schon mal hinter dem großen Tor um mit den anderen Hunden Wache zu schieben, mitten im Gras um sich zu sonnen oder steht neugierig dabei, wenn ihr die anderen Hunde zeigen wie man kräftig den Garten umbuddelt.

Ach ja..und sie sammelt. Unser Hundespiel fand Nadja toll, aber sie hat es auf ihre Art gespielt. Geflissentlich schaffte Naddelchen ein Hütchen nach dem anderen in ein Versteck um dann damit ungestört zu spielen. Da lag sie dann, gedankenverloren wie ein kleines Kind mit seinem Kaufmannsladen, und war beschäftigt mit ihren Hütchen. Das Bild war schön. Es hätte nur noch gefehlt dass sie dabei ein Liedchen anstimmt... ♥


 
 
29.05.2008 · Nadja unter der Treppe

Juhu, ich bin´s, die Nadja ♥

Meine Ecke hinter dem Gartenhäuschen ist mittlerweile zweite Wahl. Unter der Außentreppe find ich´s viel besser. Ich glaube hier bin ich sicherer. Da hab´ ich mir ein Loch gebuddelt - und das ist jetzt mein Lieblingsplatz.



Unter der Treppe kann ich auch prima alles verstecken. Hier habe ich gerade meinen Knochen verbuddelt....



...und damit mir den niemand stibitzt, hab´ ich meinen Knochen bewacht.



Kann ganz schön anstrengend sein - puh.



Bis demnächst - und dann vielleicht schon unter der Treppe hervor gekommen? - Euer Naddelchen.  
 
02.06.2008 · Im Haus ist es schön

Zwei Wochen hat mir Nadja ♥ nichts aus der Hand genommen und dann wollte ich es wissen. Mit einer großen Leckerei habe ich, ohne zu schauen, stumm meine Hand unter die Treppe geschoben. Dort wo Nadja sich versteckt. Ein paar Sekunden hat es gedauert und dann konnte ich ein zaghaftes Schnäuzchen fühlen, welches mir zögerlich die Leckerei aus der Hand nahm. Juhuu! : )
Am Freitag, gegen frühen Abend ist Naddelchen das erste Mal freiwillig ins Haus gekommen. Sie trottelte einfach langsam durch die Tür und legte sich in ihr Eckchen, in die Gäste-Toilette. Seitdem Nadja diese Hürde aus eigenen Stücken überwunden hat, scheint sie sich mit dem Gedanken an zu freunden. Manchmal sehe ich sie nun auch tagsüber in ihrer Ecke. Auch wenn unser Erdgeschoss weiträumig und komplett offen, ohne Türen und mit kuscheligen Hundedecken ausgelegt ist, schafft sie das noch nicht an zu nehmen. Lieber zieht sie sich in die winzige Gäste-Toilette zurück. Fernab vom Menschen, immer auf der Suche nach einer "Höhle".

Selbstständig geht Nadja aus dem Haus in den Garten und wieder zurück. Und auch wenn sie ebenerdig in den Garten gelangen kann, nimmt sie wagemutig die näherliegende Treppe, um so unbemerkt wie möglich ihren Weg zu gehen - immer möglichst unbemerkt von dem Menschen. Die vier Stufen habe ich sie noch hinunter plumpsen und später wieder mühsam hinaufkrachseln hören. Aber nun hat sie das schon recht gut raus.

Die kleinen Schritte vorwärts freuen uns sehr. Dennoch sehen wir Nadja wie sie ist: ein unglaublich ängstliches, menschenscheues Wesen mit gebrochenem Herzen. Sie kann längst nicht spazieren gehen oder andere Dinge machen, die wir aus dem Alltag eines normalen Hundelebens kennen. Es wird noch viel Zeit brauchen bis Nadja sich in der Welt zurecht finden wird.



P.S.: Bilder von Nadja gibt es nicht viele. Wenn Nadja aus ihrer Ecke kommt und ich sie dann fotografiere, flüchtet sie schnell wieder in ihre Ecke. Darauf nehmen wir Rücksicht und hoffen auf Euer Verständnis.
 
07.06.2008 · Weiterhin Magen-Darm-Probleme

Die Freude dass Nadja ♥ freiwillig in das Haus geht, war so groß wie kurzfristig. Innerhalb kürzester Zeit baute Nadja imens ab und hing drei Tage arg „in den Seilen“. Nadja schaffte es kaum mehr zum futtern, noch zum lösen aus ihrem Eckchen, der Gäste-Toilette. Nadjas Körper wurde immer schwächer und die damit verbundene Sorge immer größer.

Nach drei Tagen hat sich Nadjas Allgemeinzustand wieder soweit gebessert, dass sie stabil ist. Sie geht abends weiterhin selbstständig ins Haus, futtert, trinkt und nimmt im Garten wieder Anteil am Leben mit den Hunden. Was sich leider nicht gebessert hat, ist der seit Ankunft sehr ausgeprägte, flüssige Stuhlgang.

Zum Glück haben wir kompetente, tierärztliche und homöopathische Hilfe die uns längst mit Rat und Tat zur Seite steht. Wir hoffen, dass die Ursache somit bald ausfindig gemacht werden kann. Wobei, wir sind froh, dass es Naddelchen wenigstens soweit gut geht, dass sie wieder mit den Hunden im Garten umherläuft wenn sie denkt, dass kein Mensch in der Nähe ist, wieder mit dem Hunden hinter dem Tor auf Beobachtungsposten liegt und ja, auch dass Naddechen sich wieder meldet wenn das Futter nicht schnell genug kommt.

Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal so über ein "Büschen-Flotter-Mit-Dem-Futter-Bellen" so freuen würde...

 
13.06.2008 · Was soll ich nur schreiben?

Ein bisschen graut es mir immer vor dem nächsten Tagebuch-Eintrag. Wenn es Neuigkeiten gibt, sind diese so winzig klein, dass man sich nicht sicher ist, ob es wirklich genug ist, um davon zu berichten...

Nadja ♥ ist nun vier Wochen bei uns. Ihre schlimme Magen-Darm-Infektion ist noch medikamentös eingestellt, aber wir hoffen auf dem besten Weg zu sein.

Nadjas Seele weilt weiterhin in einem Schneckenhaus. Sind Menschen in ihrer Nähe, hält sich Naddelchen ferner versteckt - unter der Treppe, in der Gäste-Toilette oder hinter dem Gartenhäuschen. Losgelöste, glückliche Augenblicke kann man bei Nadja nur heimlich beobachten. Immer dann, wenn sie denkt, dass keine Menschen in der Nähe sein könnten.

Doch ein kleines, schönes Erlebnis hatten wir diese Woche: als sich ein Gewitter ankündigte, ist Nadja aus der Gäste-Toilette zu mir in die Küche gekommen. Das erste Mal, dass Naddelchen von sich aus auf mich zuging. Und sei es nur, dass das wunderschöne Bärchen Schutz bei mir suchte: ich habe mich wahnsinnig gefreut.
Keine 30 cm von mir entfernt lag sie neben mir und hat das Geschehen in der Küche mit etwas Angst, aber auch Interesse, beobachtet.

 
18.06.2008 · Bilder

Die liebe Nadja ♥  versteht sich hier wunderbar mit jedem Vierbeiner, egal ob Katze oder Hund. Doch Ihre neue, beste Freundin ist Bina, die zur Zeit ebenso wie Naddelchen bei uns zur Pflege wohnt. Gemeinsam wird gespielt, gebellt, geschnuffelt...



...und sogar die Reste aus der eigenen Futterschale lässt Naddelchen ihre Freundin mit aus der eigenen Futterschale ausschlecken. Und das obwohl Nadja wieder gerne futtert.



Nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich ist Nadja eine ganz liebe Hundeseele.♥
 
02.07.2008 · Ein kleiner Spaziergang-Versuch

Nach zehn Wochen habe ich den ersten kleinen Spaziergang, auf eingezäuntem Gelände, mit Nadja ♥ gewagt. Mit dem Bärchen an der Schleppleine und im Beisein unserer Hunde haben wir versucht ein paar Schritte zu laufen.



Mit viel Geduld und Ermunterung lief Naddelchen die ersten Schritte langsam und in gebückter Haltung mit, um dann die erste Chance zu nutzen und schnell in einer Hecke zu verschwinden.



Gerade so konnte ich noch verhindern, dass Naddelchen nicht völlig in der Hecke verschwand und so lang sie dann in ihrem "Versteck" und hat sich nicht mehr bewegt.



Von dort aus hat Nadja die Hunde und die neue Perspektive etwas beobachtet.



Schaltete dann aber leider komplett ab. Versucht man Nadja zum weitergehen zu ermuntern, ist sie hoffnungslos überfordert mit der Situation.



Wir haben es versucht und gemerkt, dass dieser Schritt noch zuviel für Nadja ist. Die Welt dort draußen ist noch zu groß, erst einmal möchte Nadja nur in ihrem Pflege-Zuhause ankommen.
 
11.07.2008 · Kleine Schritte vorwärts

Nadja ♥ lebt weiterhin am liebsten unsichtbar, immer in einem ihrer Verstecke. Würde man sie nicht bewusst aufsuchen, würde man sie nicht bemerken.

Doch seit ein paar Tagen schleicht sich Nadja ganz leise und vorsichtig an uns heran. Anstatt erst in das Haus zu kommen wenn wir uns im OG schlafen gelegt haben, schleicht sich Nadja nun schon mal ein paar Minuten früher an, auch wenn wir uns noch im EG befinden. Ihr Weg führt nicht mehr ausschließlich und direkt in die Gäste-Toilette, sondern sie tapst vorsichtig und leise durch das Wohnzimmer. Hinter Tischen und Stühlen vorbei´, um sich dann hinter dem Sofa zu verstecken. Dort ist sie etwas abgeschirmt, hat ihre Ecke und bekommt trotzdem ein wenig Leben mit.

Unsere Rituale sind für Naddelchen sehr wichtig und so klappt auch die Verständigung immer besser zwischen uns. Bisher musste ich immer recht erfinderisch werden, wenn Nadja mal unter der Treppe hervor kommen musste. Doch nun braucht es nur eine liebe Aufforderung und Nadja kommt unter der Treppe hervor geschlichen. Und auch wenn sie längst nicht auf mich zulaufen würde, haben wir unseren Weg gefunden. Kommt sie auf meine Bitte unter der Treppe hervor, läuft sie in eine nahe gelegene, offene Ecke. Dort hat sie wieder ihre Wand im Rücken die ihr Sicherheit gibt und wartet mit großen Augen auf mich.

Die Bilder der Röntgen – und Ultraschalluntersuchung haben übrigens keine Auffälligkeiten im auergewöhnlichen Bereich gezeigt. Nachdem das Antibiotikum nun abgesetzt ist, hat sich aber der extrem flüssige Stuhlgang die letzten Tage nicht mehr gezeigt und auch das Futter nimmt sie immer besser an. Klitzekleine Schritte, aber sie sind da.

Naddelchen in ihrer neue Ecke, im Hintergrund zu sehen.

 
17.07.2008 · Nadja, unser Mondscheinhund

Stillstand - einen Schritt vorwärts --- zwei Schritte zurück --- sehr lange Stillstand --- einen Schritt vorwärts --- zwei Schritte zurück --- und nun wieder vorwärts, gleich 2 Schritte auf mal

Nadjas ♥ bisheriger Weg ist nicht gerade: hinter jeder Kurve erwartet uns eine Überraschung. Mal sind wir einen Schritt weiter gekommen und mal stehen wir nach einer Kurve wieder vor dem Ausgangspunkt.

Ein Muster gibt es noch nicht. Nadja ist Nadja, sie geht ihren Weg. Kurvig, und auf ihre Weise. Auch wenn sie den ganzen Tag augenscheinlich passiv unter der Treppe liegt, ist sie lange nicht untätig. Sie beobachtet, sortiert, reagiert … sie ist da. Ganz in dieser Welt, eben nur für sich - unter der Treppe, hinter dem Sofa oder in der Gäste-Toilette.

Aber nun gerade sind wir in einer Hochphase. Gleich 2 Schritte vorwärts macht Nadja soeben, denn seit circa einer Woche kommt Nadja in unsere Nähe, immer zur Mondzeit. Sie geht weiterhin nicht nur in das Haus, sondern in den Wohnzimmer-Bereich indem wir uns zu der Zeit aufhalten.

Ihr Rücken ist immer noch durchhängend, ihr Kopf und ihr Körper immer in Duckstellung. So schleicht sie an der Wand, hinter dem Tisch und den Stühlen entlang um sich dann in ihrer Ecke hinter dem Sofa zu verstecken. Gehen wir in das Obergeschoss um uns schlafen zu legen bleibt Nadja im Erdgeschoss in ihrer Ecke liegen. Aber ein kleines Licht bleibt immer für sie an.
Doch schon bevor die Sonne den Mond abwechselt höre ich auf den Weg nach draussen leise Pfoten durch das Erdgeschoss tapsen...

Nadja ist unser Mondscheinhund…

 
26.07.2008 · Es geht weiter...

Nadja ♥ kommt weiterhin gegen späten Abend zu uns ins Wohnzimmer. Jedesmal packt sie ihren ganzen Mut zusammen um das zu schaffen.
Schleichend und in geduckter Körperhaltung versucht sie unbemerkt ein Versteck, eine Ecke zu finden. Dort macht sie sich dann so klein wie möglich und hofft, dass niemand sie bemerkt.



Als wir eines Abends zum schlafen in das Obergeschoss gehen, schleicht sich Nadja unauffällig hinter uns her. Ganz leise und in einem sicheren Abstand läuft sie die Treppe mit hinauf. Im Obergeschoss angekommen ist sie im dann in die nächste Ecke geflitzt um so zu tun als wäre sie gar nicht da.



Die richtige Ecke ist noch nicht gefunden. Die eine Nacht saß Nadja hinter dem Bett, die andere Nacht hat sie es irgendwie geschafft sich hinter meinen Nachttisch zu quetschen. Als ich dann ins Bett ging war sie sichtlich erschrocken, dass ich nur eine Armlänge von ihr entfernt liege. Noch lange saß Nadja im Licht der Dunkelheit wie angwurzelt da und traute sich nicht zu, sich zu bewegen.

Nun habe ich ihr eine kleine Höhle gebaut. Ein Kinderlaufstall, auf den Kopf gestellt, etwas Stoff darüber gehängt und drei Gitterstäbe entfernt. Ich bin gespannt ob sie sich in dieser Höhle etwas sicherer fühlen wird und ob sie diese überhaupt annimmt.

 
04.08.2008 · Naddelchen auf Abwegen

Mitten in der Nacht hörte ich aus dem Garten kommend Geräusche die sich wie Tippel-Schritte auf Kieselsteinen anhörten.

Im Garten angekommen sehe ich ein merkwürdiges Bild: Nadja ♥ sitzend im Kellerschacht und macht ein Gesicht wie: "was guckste denn so? Noch nie einen Berner im Kellerschacht gesehen?"



So kletterte ich dann im Nachthemd und mit Taschenlampe bewaffnet in den Kellerschacht und wollte Nadja befreien. Aber von wegen: Nadja hatte einen ganz anderen Plan. Nachdem ich Nadja dreimal aus dem Kellerschacht gehoben hatte, selbst hinausgeklettert war und sie jedes Mal wieder hineinhopste, machte sie mir brummend klar, dass sie jetzt gar keine Lust mehr auf dieses Spielchen hätte...



Ich übrigens auch nicht und so dachte ich mir: "Gut, dann bleib sitzen, in einer Stunde hör ich bestimmt von dir und dann steh ich nochmal auf und heb dich eben wieder raus".

Aber von wegen. Gegen frühen Morgen wachte ich auf und was sah ich? Das Naddelchen, sitzend im Schacht und ein Blick wie "pöh, ich sitz hier so lange wie ich will".



Dann ein neuer Rettungs-Versuch. Nachdem ich Nadja auf den Rasen hob, machte ich mich vor dem Kellerschacht breit, damit Nadja nicht wieder hinein hopsen kann. Doch auf einmal läuft Nadja mit Anlauf wie ein Rammbock auf mich zu, springt wie eine Gazelle über meinen Arm hinweg und Kopf voraus in den Schacht.

Da saß sie dann wieder. Zufrieden, hatte sich nichts getan und lunzte immer wieder aus ihrem Versteck. "Höhö".



Viele Stunden und mehrere Versuche später kam mir dann endlich die Idee. Ich sprang wieder in den Schacht, hob Naddelchen abermals hinaus und griff nach den Hundedecken, die ich mir vorher zurecht legte. Diese schmiss ich sofort auf den Kellerschachtboden und hatte Erfolg: Decken mag Nadja noch gar nicht - das Spiel hatte ein Ende.



Tja, auch ein Naddelchen hat ein Berner-Dickkopf.
 
12.08.2008 · Nadja entwickelt sich langsam

Nadja ♥ sucht langsam immer mehr unsere Nähe. Kam sie bisher frühestens gegen 21:30 Uhr in das Haus, kommt sie nun schon etwas früher zu uns. Diese Woche öfters gegen 20:00 Uhr und einmal schlich sie bereits um 18:30 Uhr in das Haus. Anstatt aufgeregt hechelnd in der Ecke zu sitzen und ihren Kopf deutlich aussagekräftig abzuwenden, liegt sie mehr und mehr entspannt auf den Boden und kann – zumindest dann wenn ich alleine im Haus bin und ruhig am Tisch sitze - sogar nach einiger Zeit auch ihre Augen schließen. Ihr glaubt gar nicht was das für ein Bild ist...

Sobald Bewegung von mir hinein kommt, ich z. B. den Stuhl wegrücke, schreckt Nadja schnell hoch. Wird es dann noch mehr, z.B. indem ich mich durch das Haus bewege, kann es sein, dass sie rasch aus dem Haus läuft - aber - um sich dann nach ein paar Minuten, wenn ich wieder ruhig am Tisch sitze, abermals unauffällig hinein zu schleichen. :)

Zum schlafen in das OG ist Nadja noch zwei Mal mitgekommen. Beides Mal hat sie sich kurz in ihre Höhle gesetzt. Am zweiten Tag habe ich von meinem Bett aus ein kurzen Blick hin geworfen und dabei leider für einen Bruchteil der Sekunde Nadja direkt in die Augen geschaut. Sie hat sich daraufhin so erschrocken, dass sie wie vom Blitz getroffen aus dem Schlafzimmer und wieder in das EG flitze. Seitdem kam sie nicht mehr mit in das OG. Dafür hat sie sich aber nun einen Schlaf-Stammplatz im Wohnzimmer hinter dem Sofa gesucht.

Im Haus selbst bewegt sich Nadja immer noch sehr vorsichtig, gebückt und schleichend. Aber wenn sie erst einmal auf ihrem Platz angekommen und alles ruhig ist, ist Nadja nun auch schon recht gelöst. Ihr Gesicht ist weicher, ihre Körperhaltung wirkt entspannter…Naddelchen entwickelt sich.

 
20.08.2008 · Nadja zwischen dem Bambussträuchern

Eigentlich wollte ich heute wieder von unseren kleinen Fortschritten berichten. Z.B. dass Nadja nun auch mal tagsüber in das Haus kommt oder das sie neugierig wird wenn Besuch kommt und dann auch mal aus der Ferne lunzt.

Aber dann hatte ich gestern die Chance diese Fotos von unserem fotoscheuen Mäuschen zu machen.

Nadja, das erste Mal in unserem großen Garten.











 
29.08.2008 · Die ersten 3 Monate Revue passieren lassen

Nadja ♥ und ich hatten einen ziemlichen Durchhänger. Sind Nadjas Hochs und Tiefs schon oft da gewesen, war ich immer die Konstante, die oben blieb. Zum ersten Mal hatte ich, als Pflegemutti von Nadja, auch einen richtigen Durchhänger. Wie lange braucht Nadja noch, was kann ich noch tun, was ist ihr denn vielleicht noch alles passiert, kann ich Nadja überhaupt wieder glücklich machen?

Als Nadja bei uns ankam, hatte ich ein gutes Gefühl. Sie lief mit den Hunden durch den Garten, futterte und es schien ihr gut zu gefallen. Schön, dachte ich. Verfrüht - denn schon nach ganz kurzer Zeit fiel Nadja in das bereits vorher bekannte tiefe, tiefe Loch aus dem sie bisher nicht wieder hinaus kam. Tagsüber sind ihre Aufenthaltsorte in den drei Monaten fast durchweg: unter der Treppe, hinter dem Gartenhaus oder in der Toilette.

Von einem normalen Haushundeleben ist Nadja weit entfernt. Ansprache, Anfassen, ein Leckerchen geben, Kontakt zum Menschen – Dinge die für Nadja auch nach drei Monaten Pflege nicht ertragbar sind. Spreche ich Nadja an flüchtet sie meist, berühre ich sie, kommt es mir vor als ob Nadja sich ekelt.

Dabei haben wir die schlimmste Zeit hoffentlich hinter uns: 3 Tage, an denen ich nicht sicher war, ob Nadja noch leben möchte. Sie ist nicht mehr aufgestanden, hat nicht mehr gefuttert und nicht mehr getrunken. In diesen 3 Tagen habe ich Nadja ihr Trinken und ein wenig Futter täglich in eine Spritzenkanüle aufgezogen, oral eingeflößt und nebenbei immer wieder geprüft ob Nadja noch körperlich stabil ist. Gelöst hat sich Nadja an Ort und Stelle, was sie sonst nie tat. Die körperliche Ursache wurde nie gefunden, genauso wenig wie für ihre langen, ausgeprägten Magen-Darmbeschwerden. Medizinisch sowie homöopathisch wurde sie eingestellt…doch was letztendlich half…Antibiotika, Homöopathie, Zeit…keiner weiß es genau.

Nach 3 Monaten kann Nadja eines - und das nur unter Vorbehalt: LEBEN.

Selbst bei diesem Wort bin ich vorsichtig, denn Nadja reagiert auf kleinste, nein allerkleinste, Veränderungen im Alltag mitunter sehr stark. Manchmal direkt, meist nachhaltig. Es kann ein Besuch sein, es kann aber auch nur ein zu schnelles Aufstehen vom Stuhl sein. Manchmal eine harte Probe für das Familienleben, Dinge die sonst normal sind: ein paar Freunde am Abend einladen, mal in den Urlaub fahren, mit allen Hunden spazieren gehen… nicht möglich. Geringste, unbedachte Momente können Nadja tagelang oder gar komplett wieder zurück werfen.

In einer normalen Welt kann sich Nadja noch nicht zurecht finden. Sie braucht weiterhin Zeit. Zeit für ihre Seele und Zeit um stabil zu werden.

P.S: Nach den letzten schweren Tagen kamen wieder gute. Und davon werden wir im nächsten Tagebuch-Eintrag wieder berichten.


 
14.09.2008 · Nach den schlechten Tagen: Gute Zeiten

Nadja fängt an, sich etwas an mir zu orientieren. Anfangs nicht gleich ersichtlich, denn bei Unvorhersehbarkeiten und Bewegungen schreckt Nadja noch sehr oft auf. Doch nach einem kleinen Schreck huscht Nadja jetzt nur noch selten direkt aus dem Haus, sondern läuft meist nur noch ein paar Meter im Haus fort, um sich flugs umzuschauen und um dann…meine Nähe zu suchen.

In den letzten Tagen ist fast schon ein kleines Spiel daraus geworden: setze ich mich z. B. an den Tisch, wartet Nadja kurz ab, dann lunzt ein neugieriges Näschen um die Ecke und wenn ich "gefahrenfrei, ruhig und beschäftigt" sitze, schleicht sie vorsichtig an mir vorbei und legt sich hinter meinen Stuhl.

Am leichtesten fällt es Nadja jedoch möglichst "unsichtbar“ in der Menge mitzulaufen. Gehen ihre vierbeinigen Mitbewohner vor, läuft sie vorsichtig und immer mit etwas Abstand, in der Hundegruppe mit. Umso mehr Hunde, umso besser für sie. Und solange ich für sie vorhersehbar bin, klappt es schon recht gut. Sie weiß was passiert und das gibt ihr Sicherheit.

Heute hatte ich großes Glück und Nadja ist mir in den Garten gefolgt. Hinter den anderen Hunden kam sie schleichend angelaufen um sich dann - ganz in meiner Nähe - in eine Ecke in den Garten zu legen. ♥








 
 
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Nobody´s perfect...
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Unsere tierischen Copiloten sind nicht perfekt. Genau wie wir Menschen. Aber der Weg ist das Ziel: Jeder positive, gemeinsame Schritt, egal wie klein, schweißt uns zusammen. Es kommt nicht nur darauf an, wie weit wir unseren Weg schon gegangen sind, sondern auch wie.